evopark: Corporate beteiligt sich an Parkstartup

Die vier evopark-Gründer Maximilian Messing, Sven Lackinger, Marik Hermann und Tobias Weiper mit ihrem neuen Investor  Scheidt & Bachmann. Foto: evopark

Das Kölner Start-up evopark bietet eine digitale Parklösung, die es Kunden ermöglicht, ticketlos und ohne Bargeld in Parkhäusern und auf Parkplätzen mit Schranken zu parken. Zum 1. Januar übernimmt der renommierte Systemhersteller Scheidt & Bachmann, Spezialist für Parkhaus- und Freizeitanlagen, die Mehrheitsanteile am jungen Unternehmen. Die vier Gründer bleiben dem Unternehmen als Geschäftsführer und Gesellschafter mit einer 25-prozentigen Beteiligung erhalten.

Contio hat mit Sven Lackinger, der für den Bereich Finance & Operations sowie für die Unternehmensentwicklung zuständig ist, gesprochen.

Wie funktioniert evopark genau?

Sven: Nachdem man sich bei einem unserer Partner angemeldet hat, erhält man eine kleine Karte, mit der man berührungslos ins Parkhaus fahren kann. Die Schranken öffnen komplett automatisch. Man muss kein Ticket mehr ziehen, fährt einfach rein, und nach dem Stadtbesuch wieder raus und die Parkkosten werden einmal im Monat automatisch abgerechnet. Diesen digitalen Parkservice vermarkten wir zum Beispiel an Automobilhersteller, Versicherungen oder Parkhausbetreiber, die das wiederum ihren Kunden anbieten. Angenehmes Parken als „Software as a Service“ quasi.

Seit wann gibt es evopark?

Sven: Wir haben im März 2014 gegründet. Wir vier, Max, Marik, Tobias und ich, haben zusammen fünf Jahre an der WHU in Vallendar studiert und nach dem Studium war es der nächste logische Schritt, was gemeinsam zu machen. Die evopark-Idee ist auch während der Studienzeit in einem Kurs entstanden und dann dachten wir „Okay, wir versuchen das mal und schauen, ob wir das wirklich auf die Straße bekommen“. Vor dreieinhalb Jahren hätten wir allerdings nicht gedacht, dass aus unserer Idee so ein erfolgreiches Geschäftsmodell wird.

Was sind für dich die wichtigsten Meilensteine seit eurer Gründung?

Sven: Das lässt sich gut in vier Jahre gliedern. Wir sind 2014 gestartet und hatten Ende 2014 einen Prototyp, also das erste Parkhaus, in das man ticketlos rein-und rausfahren konnte und die Kosten über evopark abgerechnet wurden. 2015 haben wir dann eine Art Pilotmarkt in Düsseldorf gehabt, da waren sieben Parkhäuser von verschiedenen Parkhausbetreibern und rund tausend Kunden dran beteiligt und so konnten wir unsere Idee gut und realistisch ausprobieren. 2016 haben wir evopark dann mehr oder minder deutschlandweit ausgerollt und sind in 14 Städten vertreten gewesen. Dieses Jahr gab es gleich zwei wichtige Schritte. Zunächst haben wir das Deutschlandnetzwerk knapp verdoppelt. Gleichzeitig haben wir unser Geschäftsmodell gedreht und sind weg von der Endkundenmarke evopark und hin zu einem b2b Serviceprovider. Jetzt versorgen wir Firmen wie Porsche und die AXA Versicherung mit Parklösungen.

Warum habt ihr Düsseldorf für euren Pilotmarkt ausgewählt? Wie erfolgreich war euer Start in Düsseldorf?

In Düsseldorf haben wir die ersten Partner gefunden, die an uns geglaubt und die Idee mit uns umsetzen wollten. Außerdem eignete sich die Landeshauptstadt von der Marktstruktur sehr gut für ein Pilotprojekt: Dort gibt es zum Beispiel viele Parkhäuser von verschiedenen Betreibern. Der Start verlief gut. Wir mussten natürlich erst einmal lernen, wie man Kunden für eine Parklösung gewinnt, aber im Nachhinein war es sicherlich erfolgreich.

Habt ihr an einem Inkubator oder Accelerator-Programm teilgenommen?

Sven: Wir waren anfangs schon relativ weit, sodass wir uns auf Business Angel Funding konzentriert haben. Formell haben wir an zwei Accelerator-Programmen teilgenommen, einmal beim SpaceLab von Media-Saturn und dann beim Accelerator Startup Autobahn von Daimler, wo wir primär mit Mercedes zusammengearbeitet haben. Gerade aus der Startup Autobahn ist extrem viel entstanden, weil wir bis heute noch mit Mercedes kooperieren.

Welchen Gründerteams würdest du empfehlen, in ein Accelerator-Programm zu gehen?

Accelerator-Programme sind immer spannend, wenn sie eine Zusammenarbeit mit großen Unternehmen ermöglichen, an die man sonst nicht rankommt. Wichtig ist, dass es keine starren Vorgaben (z.B. x € für y Anteile) gibt, da man nie weiß, was es wirklich bringt und wie es zum Startup passt. Insgesamt sollte man als Gründer nicht von Accelerator-Programmen abhängig sein.

Welche Form von Zusammenarbeit hattet ihr bisher mit etablierten Firmen?

Sven: Einer der ersten großen Kunden war die AXA Versicherung, die ebenfalls ein enger evopark Partner geblieben ist. Parallel hatten wir ein Pilotprojekt mit Audi und Porsche, woraufhin Porsche ab Mitte 2016 bei uns beteiligt war. Wir haben auch mit zahlreichen anderen renommierten Firmen zusammengearbeitet, allen voran namhafte Parkhausbetreiber. Generell sind unsere Kunden ganz unterschiedlich, wie Douglas und Montblanc, die dann Parkgebühren über evopark erstatten, bis hin zur ECE, dem größten Shoppingcenterbetreiber Deutschlands.

Kein Geheimnis ist, dass ihr soeben 75% der Anteile veräußert habt. Was versprecht ihr euch davon?

Sven: Wir erhoffen uns, mit Scheidt & Bachmann das digitale Parkhausnetzwerk weiter auszubauen und noch schneller und noch besser in der Technologie zu werden. Der Hersteller kommt aus dem Bereich Systeme für Parkhausanlagen und entwickelt unter anderem Hard- und Softwarelösungen für Parkraumbetreiber, also quasi die komplette Parkhausinnenausstattung. Dementsprechend haben wir direkt am Anfang mit Scheidt & Bachmann zusammengearbeitet, da das Unternehmen mit Abstand Marktführer ist und eine riesige installierte Basis mit einigen tausend Parkhäusern auf der ganzen Welt ausgestattet hat. Wir möchten zukünftig verstärkt Technologiedienstleister für digitale Parklösungen für Parkhausbetreiber und Mobilitätsanbieter werden und von der Parkapp weg und hin zum Bereich b2b services.

Was verspricht sich Scheidt & Bachmann?

Sven: Dass wir genau das erfüllen. Scheidt & Bachmann gibt es seit 140 Jahren und seit über 50 Jahren beschäftigt sich das Unternehmen mit dem Thema Parken. Im Bereich neue Mobilitätsformen und Digitalisierung bewegt sich gerade sehr viel und daher ist es für Scheidt & Bachmann spannend, einen Partner zu haben, mit dem man relativ schnell neue Dinge entwickeln kann. Mit uns zusammen kann Scheidt & Bachmann nun standardisierte, aber sehr moderne Parkprodukte auf den Markt bringen, die sie zusammen mit ihren Anlagen an ihre Kunden verkaufen können und die es ihnen ermöglichen, im Digitalisierungsbereich vorne mitzuschwimmen.

Werdet ihr mit einem solchen starken Partner nun in noch mehr Parkhäusern präsent sein?

Sven: Das hoffen wir natürlich. Wir legen aber Wert darauf, weiterhin auch mit anderen Systemherstellern zusammenzuarbeiten und wollen auch zukünftig neutral aufgestellt sein. Unsere Hoffnung ist, dass wir die installierte Basis und die technische Kompetenz von Scheidt & Bachmann nutzen können, um noch schneller noch mehr Parkhäuser anschließen zu können. Wir haben gerade 86 Parkhäuser am Netz, wovon der Großteil mit Scheidt & Bachmann Lösungen ausgestattet ist.

Du sprichst von der Zusammenarbeit mit weiteren Systemherstellern. Habt ihr seit der Bekanntgabe schon Feedback von euren weiteren technischen Partnern bekommen?

Sven: Viele verstehen den Schritt und können ihn gut nachvollziehen. Unsere Partner haben wir persönlich über die neue Investition informiert und sie haben die Nachricht durchaus positiv aufgenommen. Für einige davon wäre eine Beteiligung auch vorstellbar und spannend gewesen, aber Scheidt & Bachmann passt für uns inhaltlich und persönlich einfach sehr gut.

Wenn du Neugründern drei Tipps geben dürftest, welche wären das?

Sven: Zuallererst sollten das Funding und die Business Strategy von Anfang an aufeinander abgestimmt sein. Zum Zweiten sollte der Fokus auf ein klares Business Model und rasche MVPs gerichtet werden. Und last but not least sind gute Mitarbeiter die wichtigste Ressource im Unternehmen.

By | 2017-12-27T13:54:21+00:00 Dezember 21st, 2017|Uncategorized|0 Comments

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Verena ist bei Contio für die Bereiche Content Marketing und Social Media zuständig.